Was bringt eine Arbeitsrechtsschutzversicherung?

Arbeitsrechtsschutz Versicherung
Typische Streithemen beim Arbeitsgericht: Kündigung & Gehalt

Streit mit dem Arbeitgeber ist heutzutage leider keine Seltenheit mehr: Pro Jahr werden rund 300.000 bis 350.000 Klagen vor dem Arbeitsgericht erhoben. Typische Streitthemen sind dabei vor allem Kündigungen oder auch das Gehalt. Allerdings gilt es hier zu beachten: Der Anwalt muss – im Gegensatz zu Rechtsstreits im Zivilrecht – auch dann selbst bezahlt werden, sollte man den Prozess gewinnen, was auch im Arbeitsgerichtsgesetz festgeschrieben ist (§ 12a). Und bekanntlich können Anwälte schnell sehr teuer werden, was eine mögliche Abfindung vor Gericht deutlich verringern kann.

Hier bietet es sich an, eine Arbeitsrechtsschutz-Versicherung abzuschließen. Diese schützt den Versicherten vor finanziellen Auswirkungen eines Rechtsstreits und stellt sicher, dass man gegenüber seines Arbeitgebers eine gute Verhandlungsposition einnehmen kann.

Welche Leistungen der Arbeitsrechtsschutz bietet

Ob sich die Investition in eine Arbeitsrechtsschutz-Versicherung für einen persönlich lohnt, hängt immer von der individuellen beruflichen Situation an – und natürlich auch von der Ausgangslage im Rechtsstreit.

Rechnet man mit viel Gegenwind, ist es umso wichtiger, schnell zu agieren, da Versicherungsleistungen normalerweise erst nach einer Wartezeit von drei Monaten in Anspruch genommen werden können. Darüber hinaus lässt sich der Arbeitsrechtsschutz in der Regel nicht als eigenständige Versicherung abschließen, sondern nur in Verbindung mit einer privaten Rechtsschutzversicherung.

Berufsrechtsschutz-Versicherungen sind sowohl für Angestellte als auch für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst und Beamte vorhanden. Für Selbstständige oder Freiberufler sind solche Policen allerdings meist eher unbrauchbar, da Rechtsstreits hier eher die Ausnahme darstellen und dann auch kein spezieller Arbeitsrechtsschutz erforderlich ist. Wer Mitglied in einer Gewerkschaft ist, verfügt in der Regel automatisch über einen Berufsrechtsschutz.

Absichern lassen sich über den Arbeitsrechtsschutz viele Fälle, wie beispielsweise Kündigungen, Abmahnung – häufige Fragen oder Abfindungen sowie ausbleibende Gehälter oder Urlaubs- bzw. Weihnachtsgeld. Sollte es Probleme mit der Auszahlung von Überstunden, Streit um ein Arbeitszeugnis oder Ähnliches geben, greift der Arbeitsrechtsschutz ebenso. Weiterhin trägt die Versicherung folgende Kosten bei arbeitsrechtlichen Unstimmigkeiten:

  • Kosten für notwendige Gutachten
  • Gebühren für Schlichtungsverfahren
  • Kosten für Gerichtsvollzieher und das Gericht
  • Zeugengelder
  • Kosten für die gegnerische Partei, sofern nötig

Was der Arbeitsrechtsschutz nicht abdeckt

Ehe man sich für einen Arbeitsrechtsschutz entscheidet, sollte man im Vorfeld wissen, welche Leistungen durch die Versicherung nicht abgedeckt werden. Dazu zählt beispielsweise die Erstberatung, die gerade für Arbeitnehmer häufig wichtig ist. Oft braucht man eine neutrale Einschätzung von einem Rechtsanwalt darüber, was der Arbeitgeber darf oder nicht. Dabei kann es sich beispielsweise um das Zurückhalten von Gehalt, um die Bezahlung ausstehender Urlaubstage oder auch um die Kündigungsfrist gehen.

Auch dann, wenn man plötzlich vom Arbeitgeber einfach in eine andere Abteilung gesetzt wird, stellen sich viele die Frage, ob dies rechtlich überhaupt erlaubt ist. Grundsätzlich ist es so, dass die Rechtsschutzversicherung nicht für allgemeine Beratungen aufkommt, weil es sich dabei noch nicht um einen Versicherungsfall handelt.

Allerdings gibt es durchaus Versicherungen, welche eine Beratung per Telefon anbieten. Dann kann man sich zwar den Rechtsanwalt nicht selbst aussuchen, sondern wird einfach mit einem beliebigen Anwalt verbunden, trotzdem kann man sich auf eine fundierte Antwort verlassen.

Der Arbeitsrechtsschutz – worauf es beim Abschluss einer Versicherung zu achten gilt

Für Verbraucher ist es häufig nicht einfach, das passende Versicherungsmodell zu finden, wenn es um den Arbeitsrechtsschutz geht. Aus diesem Grund sollte man bei einem Vergleich verschiedener Rechtsschutzversicherungen unbedingt darauf achten, welche Leistungen enthalten sind. Die wichtigsten Punkte stellen wir Ihnen nachfolgend vor.

Versicherungssumme

Bei jeder Versicherung gibt es eine gewisse Höchstgrenze, die im Vorfeld vertraglich festgelegt wird. Bis zu dieser maximalen Summe bezahlt die Versicherung bei einer Gerichtsverhandlung die Kosten. Hinsichtlich der Deckungssummen für den Arbeits- und Privatrechtsschutz zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede zwischen den Versicherungsgesellschaften.

So bieten manche Anbieter beispielsweise nur eine Deckungssumme von 350.000 Euro an, andere dagegen sogar keine Leistung ohne Höchstgrenze. Wichtig ist, sich für eine Police zu entscheiden, bei der die Versicherungssumme möglichst nicht weniger als 500.000 Euro beträgt.

Freie Wahl beim Anwalt

Leider ist es bei vielen Versicherern nicht möglich, sich im Streitfall selbst einen Anwalt aussuchen zu können. Es gibt aber durchaus Policen, in denen genau dieser Punkt vermerkt ist. Dann kann man sich selbst einen vertrauenswürdigen Rechtsanwalt auswählen, sofern man dies wünscht.

Telefonische Rechtsberatung

Um offene Fragen oder Unstimmigkeiten zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer zu klären, reicht eine telefonische Erstberatung oft schon aus. Sehr wichtig ist dabei, dass die Arbeitsrechtsschutzversicherung eine telefonische Beratung kostenfrei und in unbegrenzter Häufigkeit anbietet, damit man sich immer wieder erkundigen kann und stets mit einem passenden Ansprechpartner verbunden ist.

Selbstbeteiligung

Zahlreiche Versicherungsgesellschaften bieten ihren Kunden eine verringerte Prämie an, sofern sie sich für eine Selbstbeteiligung entscheiden. Hier raten Experten zu einer Selbstbeteiligung von etwa 150 Euro oder mehr. Möchte man sich gegen besonders hohe finanzielle Risiken absichern, kann man natürlich auch eine Selbstbeteiligung von 250 Euro in Anspruch nehmen. Wichtig zu wissen ist, dass es Versicherungen gibt, bei denen die Selbstbeteiligung wegfällt, sollte ein Rechtsstreit nach einer ersten Beratung beim Anwalt gar nicht erst vor Gericht landen oder man sich mit der Gegenpartei außergerichtlich einigen möchte.

Schadenfreiheitsbonus

Versicherte sollten sich darüber im Klaren sein, dass bei einigen Versicherungen die Selbstbeteiligung sinkt, wenn man über mehrere Jahre hinweg keinen Schaden meldet. Daher ist es optimal, wenn der Versicherer schadenfreie Jahre beim letzten Versicherer anrechnet, wenn man sich irgendwann für eine andere Versicherungsgesellschaft entscheiden sollte.

Bei einem solchen Bonus gilt es jedoch immer darauf zu achten, wie sehr die Selbstbeteiligung in Folge eines Schadens erneut erhöht wird. So ist es in manchen Tarifen der Fall, dass der Eigenanteil im schlimmsten Fall viel höher ausfällt, als die anfangs festgelegte Summe.

Wartezeit

Wer eine Arbeitsrechtsschutz-Versicherung abschließt, muss wissen, dass diese nicht am dem ersten Tag nach der Vertragsunterzeichnung greift, sondern es immer eine gewisse Wartezeit gibt. Im Normalfall sind dies drei bis sechs Monate – je nach Versicherer. Entsteht innerhalb dieses Zeitraums also eine rechtliche Streitigkeit, besteht kein Versicherungsschutz. Jedoch ist es manchmal der Fall, dass die Wartezeit entfällt, sofern man schon über eine Rechtsschutzversicherung verfügt und von einem Versicherer zum nächsten wechselt. Die Voraussetzung hierfür ist jedoch ein absolut nahtloser Übergang ohne einen einigen unversicherten Tag zwischen dem alten und dem neuen Vertrag.

Kündigung seitens der Versicherungsgesellschaft

Reichen Versicherte innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr gleich zwei Versicherungsfälle ein, hat der Versicherer häufig das Recht, einen Vertrag zu kündigen. Wie es genau mit den Konditionen aussieht, sollte daher im Vorfeld genau in den Bedingungen bzw. im Kleingedruckten des Vertrags nachgelesen werden.

Tipp: Die Arbeitsrechtsschutz-Versicherung lässt sich auch steuerlich geltend machen

Für Verbraucher ergibt sich aus dem Abschluss einer Arbeitsrechtsschutz-Versicherung noch ein weiterer nennenswerter Vorteil: Die Police lässt sich von der Steuer absetzen, indem man sie als Werbungskosten in der Anlage N einträgt. Im Durchschnitt beträgt der Anteil für diesen Bereich im Rahmen der Versicherung zwischen 40 und 60 % – diesbezüglich erhält man von seiner Versicherung eine entsprechende Aufstellung der Prämie.